Konzertkritiken

Oberhessische Presse

08.12.2010

 

Trompetenklänge in der Trinitatiskirche

von Alfons Weber

 

Neustadt. Zu seinem traditionellen Adventskonzert hatte der kulturhistorische Verein Neustadt in die katholische Pfarrkirche "Heilige Dreifaltigkeit" eingeladen. Etwa 40 Musikliebhaber kamen zu dem Konzert. Mit Jens Koch aus Dautphetal an der Orgel, Michael Regin aus Dautphetal und Martin J. Fischer aus Kassel an den Konzert- und Piccolotrompeten hatten die Veranstalter auch drei Künstler eingeladen, welche den Erwartungen der Besucher vollauf gerecht wurden.

Im stimmigen Ambiente der Orgelempore schufen sie mit feinsinniger Musik aus vielen Epochen eine besinnliche Adventsstimmung. Klassische Werke von Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi, Jean Joseph Mouret und anderer bekannter Komponisten standen ebenso auf dem Programm wie moderne Stücke wie der March triomphale von Sigfried Karg-Elert und Trumpet Voluntary von William Boyce. Fast jeder kennt sie, die schwungvolle Eurovisions-Melodie, die vor gewissen Fernsehsendungen erklingt. Aber kaum jemandem ist das herrliche Te Deum des französischen Hofkomponisten Ludwig XIV., Marc-Antoine Charpentier, bekannt.

Das Prelude des Te Deums, die spätere Eurovisionshymne, wurde ebenso schwungvoll von Michael Regin und Martin J. Fischer vorgetragen.

Jens Koch glänzte neben der Orgelbegleitung der beiden Trompetenkünstler bei verschiedenen Soli mit souveränem transparentem Spiel und musikalischer Gestaltungskraft.

In der Pause zwischen den beiden Musikblöcken des rund 90 Minuten dauernden Konzertes berichtete Elke Dubois in einer Lesung über die Entbehrungen, Sorgen und Nöte der deutschen Bevölkerung zum Weihnachtsfest 1945. "Aber der Weihnachtsbaum spendete trotz allem mit seinen Kerzen ein warmes lebendiges Licht", las Elke Dubois.

 

 

 

Frankenberger Allgemeine

27.04.2010

 

Töne passend zum Wetter

Jens Koch begeisterte die Zuhörer beim Orgelkonzert in der Emmauskapelle

Von Marise Moniac

 

Hatzfeld. Deutsche und englische Musik aus drei Jahrhunderten haben die Zuhörer bei einem Orgelkonzert in der Hatzfelder Emmauskapelle genossen. An dem berühmten Instrument von Johann Christian Rindt saß Jens Koch aus Dautphetal-Buchenau, Student der Kirchenmusik in Frankfurt. Veranstaltet wurde das Konzert vom Magistrat der Stadt, dessen Mitarbeiter Axel Marburg die Gäste begrüßte.

Der junge Künstler gab selbst kurze Erklärungen zu den zehn Stücken seines Programms. Den Anfang machte eine Galliarda von Anton Estendorffer, die mit ihren heiteren Tonfolgen so richtig zum sonnigen Gute-Laune-Wetter passte. Es folgte eine Fantasia von Johann Pachelbel, bei der die mitteltönige Stimmung der Rindt-Orgel deutlich wurde. "Stören Sie sich nicht an dem dissonanten Klang", riet Koch den Zuhörern. "Das Stück lotet einfach nur die Grenzen des Instruments aus."

 

Schwebender Carakter

Sehr viel harmonischer klang danach ein Adagio von Wolfgang Amadeus Mozart, ursprünglich für Glasharmonika geschrieben und mit dem leicht schwebenden Charakter seiner Melodie vergleichbar mit den Tönen, die ein Finger auf dem Rand eines Weinglases zu erzeugen vermag.

Ein anonymer englischer Komponist des 16. Jahrhunderts schrieb das nächste Stück, das mit seinem beschwingten Rhythmus ausgesprochen modern anmutete. Friedrich Wilhelm Zachow, zu Lebzeiten Stadtorganist in Halle, war der Verfasser des nächsten Werks, eines Präludiums mit Fuge. Beim folgenden Canzon von Christian Erbach betätigte Dieter Schneider aus Biedenkopf die Windbälge, um die ursprüngliche Wirkung nachzustellen. "Bei der originalen Technik klingt die Orgel lebendiger", erklärte Schneider den Zuhörern.

Musikalische Gedankensprünge gab es dann mit einer Fancy von William Byrd, einem der herausragenden englischen Komponisten seiner Zeit. Das nächste Stück, fünf Sätze aus den Flötenuhrstücken von Joseph Haydn, imitierte auf verblüffende Weise eine Spieluhr, bei der, wie Koch meinte, hin und wieder ein dritter Arm nötig wäre, denn eigentlich sei die Melodie für eine Maschine gedacht.

 

Ganze Klangfülle

Zur fortgeschrittenen Stunde passend folgte ein Abendlied mit Variationen über einen Choral von Johann Pachelbel. Der Kreis der vorgestellten Stücke schloss sich mit einem weiteren Werk von Anton Estendorffer, bei dem noch einmal die ganze Klangfülle der Orgel zu hören war und sämtliche Register gezogen wurden.

Langer, herzlicher Beifall war der Dank für den Künstler, der sichtlich mit großer Freude musizierte und als Zugabe zum Sonntag Jubilate Variationen zu "Nun danket alle Gott" spielte.